Stromausfall: Ist die Reparatur in Berlin komplex oder kompliziert? Der Unterschied einfach erklärt.
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In den letzten Tagen war in Berlin sehr konkret zu sehen, was passiert, wenn kritische Infrastruktur ausfällt: Ein Brand an einer Kabelbrücke am Teltowkanal beschädigte mehrere Hochspannungskabel – zehntausende Haushalte und tausende Gewerbe waren ohne Strom, teils auch ohne Heizung und Kommunikation.
Und in genau solchen Situationen fallen in der Berichterstattung zuverlässig zwei Wörter: „komplex“ und „kompliziert“. Mal heißt es, die Reparatur sei „komplex“, mal „kompliziert“, mal beides – oft synonym.
Das Problem: Wer den Unterschied komplex vs kompliziert nicht sauber trennt, kommuniziert falsche Erwartungen – und trifft im Zweifel die falschen Entscheidungen.
Unterschied komplex kompliziert: der 20‑Sekunden‑Merksatz
- Kompliziert
heißt: schwierig, aber grundsätzlich planbar.
Es gibt klare Ursache‑Wirkungs-Zusammenhänge – nur eben so viele Details, dass man Expertenteams, Spezialwerkzeug, Standards und saubere Planung braucht. - Komplex
heißt: schwierig, weil nicht vollständig vorhersagbar.
Ursache‑Wirkung ist oft erst im Nachhinein erkennbar. Viele Akteure beeinflussen sich gegenseitig. Man muss in kurzen Zyklen lernen, anpassen, nachsteuern. - Kurz: kompliziert = analysieren & planen, komplex = ausprobieren & lernen.
Sport hilft beim Verstehen: Ballproduktion vs. Spielverlauf
Ich nutze gern Sportanalogien, weil sie den Unterschied zwischen kompliziert und komplex sofort fühlbar machen.
1) Die Ballproduktion ist kompliziert – nicht komplex
Ein Fußball wirkt für Außenstehende fast wie Magie: Materialien, Nähte, Druck, Qualitätskontrolle. Aber in Wahrheit ist das ein Musterbeispiel für kompliziert:
- Es gibt definierte Materialien und Spezifikationen.
- Es gibt Prozessschritte, Maschinen, Prüfungen.
- Experten können das zerlegen, standardisieren und verlässlich liefern.
- Nicht jede Person kann es sofort – aber mit Expertise wird es vorhersagbar.
Übertragung auf Berlin
Genau so wirkt auch ein Teil der Berliner Lage: Die Reparatur beschädigter Hochspannungskabel ist technisch hoch anspruchsvoll – und gleichzeitig in vielen Teilen kompliziert: Spezialpersonal, klare Arbeitsschritte, Materiallogistik, Sicherheitsvorgaben, Qualitätsanforderungen.
Dass das Tage dauern kann, ist nicht automatisch „Komplexität“, sondern sehr oft Kompliziertheit plus Rahmenbedingungen. In Berlin wurde z. B. berichtet, dass man für die Reparatur Plusgrade braucht bzw. Kälte die Arbeiten erschwert.
Und es wird auch über Anforderungen wie „staubfreie Umgebung“ berichtet – das ist klassische „kompliziert“-Welt: viele Bedingungen, viel Präzision.
Merke: „Es dauert lange“ ist kein Beweis für „komplex“. Manchmal ist es einfach sehr kompliziert.
2) Das Fußballspiel ist komplex – und genau da passieren die Denkfehler
Jetzt wechseln wir vom Ball zur Partie.
Ein Fußballspiel ist komplex, weil:
- 22 Spieler gleichzeitig Entscheidungen treffen.
- Der Gegner sich anpasst.
- Momentum, Nervosität, Zufall, Wetter, Schiri-Entscheidungen eine Rolle spielen.
- Kleine Ereignisse große Wirkung haben können.
- Selbst ein Weltklasse-Trainer kann Wahrscheinlichkeiten erhöhen – aber keine Ergebnisse garantieren.
Ein schönes Bild dafür: „Wir hatten 12 Eckbälle – also müssten wir doch 3 Tore machen.“ Klingt logisch, stimmt aber nicht. In einem Spiel gibt es zu viele Wechselwirkungen.
Übertragung auf Berlin
Auch wenn die eigentliche Kabelreparatur „kompliziert“ ist, wird das Gesamtereignis komplex, sobald du das ganze System betrachtest:
- Netzbetreiber, Feuerwehr, Polizei, THW, Senat, Bezirke, Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen, ÖPNV, Telekommunikation, Bürger
- laufende Lagebilder, Priorisierung, Kommunikation, Versorgung, Sicherheit
- Wetter/Kälte als Verstärker
- Unvorhergesehenes (Folgeschäden, neue Erkenntnisse, Engpässe)
Reuters zitiert den Netzbetreiber sinngemäß, dass die Wiederherstellung in Bereichen ohne Strom eine komplexe Operation sei, u. a. wegen Hochspannungsleitungen und Spezialpersonal.
Das ist der Punkt: Das Ereignis hat komplizierte UND komplexe Anteile.
Warum die Worte wichtig sind: Erwartungen, Entscheidungen, Kommunikation
Wenn wir „komplex“ und „kompliziert“ verwechseln, passieren typische Fehler:
Fehler 1: Komplexes wie kompliziert behandeln
Dann entsteht die Illusion:
„Wir müssen nur genug analysieren, dann haben wir den Masterplan und alles läuft.“
Folgen:
- Überversprechen in Timelines („sicher bis X Uhr“)
- starre Pläne, die an der Realität zerbrechen
- Frust, Schuldzuweisungen, hektische Planrevisionen
Fehler 2: Kompliziertes wie komplex behandeln
Dann entsteht die Ausrede:
„Man kann eh nichts planen – ist halt komplex.“
Folgen:
- fehlende Standards / fehlende klare Verantwortlichkeiten
- zu wenig Struktur, zu wenig Vorbereitung
- ineffiziente Trial-and-Error-Schleifen, obwohl ein guter Plan möglich wäre
Die richtige Unterscheidung schützt vor beiden Extremen.
Ein Satz, der in vielen News-Stücken helfen würde
Wenn du nur einen Satz aus diesem Artikel mitnimmst, dann diesen:
„Technisch ist es oft kompliziert. Im Gesamtsystem ist es komplex.“
Und ja: Im aktuellen Berliner Fall wurden in Medien beide Aspekte beschrieben – der technische Schaden und die Rahmenbedingungen (Kälte/Anforderungen) sowie die insgesamt schwierige Lage über mehrere Systeme hinweg.
Hier sind ein paar Sätze, die den Unterschied komplex kompliziert sauber ausdrücken:
- „Die Reparatur ist technisch kompliziert (Spezialarbeiten an Hochspannungskabeln) – die Lage ist organisatorisch komplex (viele Beteiligte, viele Abhängigkeiten).“
- „Ein Teil ist mit Checklisten und Standards gut planbar (kompliziert). Gleichzeitig braucht es laufendes Lage-Update und Anpassung (komplex).“
- „Die Arbeiten sind nicht mysteriös, sondern kompliziert – aber die Gesamtdynamik rund um Versorgung und Kommunikation ist komplex.“
- „Kompliziert heißt: Experten können’s planen. Komplex heißt: Wir müssen im Takt lernen und nachsteuern.“
Diese Unterscheidung ist nicht Haarspalterei. Sie verändert, wie du führst, wie du berichtest und welche Erwartungen du erzeugst.
Was hilft bei komplexen Lagen? Denk in „Spielzügen“, nicht in „Drehbüchern“
Im komplexen Spiel gewinnt selten der, der den schönsten Plan malt – sondern der, der besser lesen, reagieren und lernen kann.
Praktische Prinzipien (sportlich gedacht):
- Klare Spielidee statt 60‑Seiten‑Drehbuch
Ziel, Prioritäten, Grenzen – damit Teams autonom entscheiden können. - Kurze Taktzyklen
Lage – Entscheidung – Aktion – Feedback – Anpassung. So wie Halbzeit/Timeout/Spielanalyse. - Transparente Kommunikation
Nicht: „Alles ist unter Kontrolle.“
Sondern: „Das ist der Plan für den komplizierten Teil – und so steuern wir die komplexen Unbekannten.“ - Redundanz & Resilienz trainieren
Im Sport trainierst du Standardsituationen. In Infrastruktur heißt das: Szenarien, Notfallprozesse, Backup‑Ketten. - Nach dem Spiel: Review ohne Schuldzuweisung
Im Fußball analysierst du Fehler, ohne den ganzen Kader auszutauschen. In Organisationen gilt das genauso.
Fazit: „Komplex vs kompliziert“ ist mehr als Wortklauberei
Die Berliner Situation zeigt (leider) sehr plastisch:
- Kompliziert: Spezialreparatur an Hochspannungskabeln, viele technische Anforderungen, witterungsabhängige Bedingungen.
- Komplex: Versorgungslage, Kommunikation, Priorisierung, viele Akteure und Rückkopplungen – eine Lage, die man nicht vollständig „durchplanen“ kann.
Wer das sauber trennt, wirkt kompetenter – und reduziert unnötige Empörung durch unrealistische Erwartungen.
Wenn Sie das Thema in Ihrer Organisation greifbar machen wollen, dann freue ich mich auf Ihre Kontaktausnahme - mein
Vortrag
Komplex ist nicht kompliziert - Ihr Spielsystem für jedes Problem
greift genau die Unterschiede auf und erklärt mit welchen Spielsystemen komplizierte und komplexe Probleme gemeistert werden können.
FAQ – Warum ich Teamsport-Analogien für Komplexität und Transformation nutze
1. Warum nutzt du Teamsport-Analogien, um Komplexität zu erklären?
Teamsport zeigt sehr klar, was in Organisationen oft unsichtbar bleibt: Spielsysteme, Rollen, Teamgeist, Mentalität und der Umgang mit Druck. Mit diesen Bildern wird Komplexität greifbar – gerade für Menschen, die sonst wenig mit Modellen und Theorien anfangen können.
2. Was haben Teamsport und komplexe Transformation gemeinsam?
In beiden Fällen geht es darum, unter Unsicherheit handlungsfähig zu bleiben: ausprobieren, aus Fehlern lernen, Taktik anpassen, gemeinsam besser werden. Prinzipien wie Iteration, Feedback und Selbstorganisation lassen sich im Mannschaftssport direkt beobachten.
3. Funktionieren Teamsport-Analogien auch, wenn niemand im Unternehmen Fußballfan ist?
Ja. Man muss kein Fußballfan sein, um zu verstehen, was Teamgeist, Spielsystem, Kabine oder Trainerbank bedeuten. Die Bilder sind kulturell so verankert, dass sie intuitiv verstanden werden – egal ob jemand aktiv Sport treibt oder nicht.
4. Wie erklärst du den Unterschied komplex vs kompliziert mit Sport?"
Kompliziert ist wie die Herstellung eines hochwertigen Spielballs: anspruchsvoll, aber mit Expertise, Standards und Planung gut beherrschbar. Komplex ist wie der Spielverlauf selbst: viele Wechselwirkungen, Anpassungen und Überraschungen – Ergebnisse sind nicht zuverlässig vorhersagbar, man muss in kurzen Zyklen beobachten, lernen und nachsteuern.
5. Welche Sportelemente nutzt du am häufigsten, um Transformation verständlich zu machen?"
Typische Elemente sind Spielsysteme und Rollenklärung, Training statt einmaliger Maßnahmen, kurze Feedbackschleifen (z. B. Analyse und Anpassung), der Umgang mit Fehlern unter Druck sowie das Zusammenspiel von Strategie, Taktik und Teamkultur.

