Stromausfall Berlin: komplex oder kompliziert? Der Unterschied einfach erklärt.

Wenn kritische Infrastruktur ausfällt, wird plötzlich sichtbar, wie eng unsere Systeme miteinander verflochten sind. Anfang Januar 2026 war das in Berlin sehr konkret zu erleben: Ein Brand an einer Kabelbrücke über den Teltowkanal beschädigte mehrere Hochspannungskabel. Zehntausende Haushalte und zahlreiche Betriebe waren zeitweise ohne Strom – teils auch ohne Heizung und mit Einschränkungen bei Kommunikation. Die Ursache wurde ermittelt, parallel mussten Einsatzkräfte, Betreiber und Behörden unter hoher Dynamik handeln.

Und in genau solchen Situationen tauchen zuverlässig zwei Begriffe auf – oft wie Synonyme: „kompliziert“ und „komplex“. Das wirkt wie Wortklauberei, ist aber in Wahrheit ein Führungs- und Kommunikationshebel. Wer den Unterschied sauber trennt, setzt realistische Erwartungen, trifft bessere Entscheidungen und reduziert unnötige Empörung.


Der 20-Sekunden-Merksatz

  • Kompliziert heißt: schwierig, aber grundsätzlich planbar. Es gibt klare Ursache-Wirkung – nur so viele Details, dass man Experten, Standards, Werkzeuge und saubere Planung braucht.
  • Komplex heißt: schwierig, weil nicht vollständig vorhersagbar. Ursache-Wirkung wird oft erst im Nachhinein klar. Viele Akteure beeinflussen sich gegenseitig. Man muss in kurzen Zyklen beobachten, entscheiden, handeln und nachsteuern.
    Kurz:
    kompliziert = analysieren & planen, komplex = ausprobieren & lernen.


Ein Sportbild, das sofort sitzt: Ballbau vs. Spielverlauf

Ein hochwertiger Spielball ist anspruchsvoll herzustellen: Material, Nähte, Druck, Tests, Qualität. Das ist nicht simpel – aber es ist beherrschbar. Mit Know-how und Standards lässt sich verlässlich liefern. Das ist kompliziert.

Ein Fußballspiel ist etwas anderes: 22 Spieler treffen gleichzeitig Entscheidungen, der Gegner passt sich an, Momentum kippt, Wetter, Zufall, kleine Ereignisse können große Wirkung haben. Selbst perfekte Vorbereitung garantiert kein Ergebnis. Das ist komplex.

Der Denkfehler passiert dann, wenn man das eine wie das andere behandelt.


Übertragung auf Berlin: „komplizierte Technik“ in einem „komplexen Gesamtsystem“

Bei einem Stromausfall sind viele Bausteine technisch kompliziert: Spezialmaterial, Sicherheitsvorgaben, Zugang zur Infrastruktur, Arbeitsschritte, Abstimmungen, Logistik. Dass so etwas Zeit braucht, ist nicht automatisch „komplex“ – manchmal ist es schlicht sehr kompliziert.

Komplex wird das Ereignis, sobald man das ganze System betrachtet:

  • viele Beteiligte (Netzbetreiber, Einsatzkräfte, Behörden, kritische Einrichtungen, Versorgung, Mobilität, Kommunikation)
  • laufende Lagebilder, Priorisierung, Sicherheitsfragen
  • Abhängigkeiten und Rückkopplungen (Strom → Heizung → Mobilfunk/Internet → Information → Verhalten)
  • Unvorhergesehenes (neue Erkenntnisse, Engpässe, Folgeschäden)

Der saubere Satz, der in vielen News-Stücken – und in vielen Unternehmen – helfen würde:


„Technisch ist es oft kompliziert. Im Gesamtsystem ist es komplex.“

Warum die Worte wichtig sind: Erwartungen, Entscheidungen, Kommunikation

Wenn wir „komplex“ und „kompliziert“ verwechseln, passieren typische Fehler:

Fehler 1: Komplexes wie kompliziert behandeln
Dann entsteht die Illusion: „Wir müssen nur genug analysieren, dann haben wir den Masterplan.“
Folgen: Überversprechen („sicher bis …“), starre Pläne, hektische Planrevisionen, Schuldzuweisungen.

Fehler 2: Kompliziertes wie komplex behandeln
Dann entsteht die Ausrede: „Man kann eh nichts planen.“
Folgen: fehlende Standards, unklare Verantwortlichkeiten, unnötiges Trial-and-Error, obwohl ein guter Plan möglich wäre.


Was hilft bei komplexen Lagen? Denk in Spielzügen, nicht in Drehbüchern

Im komplexen Spiel gewinnt selten der, der den schönsten Plan malt – sondern der, der besser lesen, reagieren und lernen kann. Fünf praktische Spielzüge:

  1. Klare Spielidee statt 60-Seiten-Drehbuch (Ziel, Prioritäten, Grenzen)
  2. Kurze Taktzyklen (Lage → Entscheidung → Aktion → Feedback → Anpassung)
  3. Transparente Kommunikation („Das ist der Plan für den komplizierten Teil – so steuern wir die Unbekannten.“)
  4. Redundanz trainieren (Szenarien, Notfallprozesse, Backup-Ketten)
  5. Review ohne Schuldzuweisung (lernen, statt Sündenböcke zu suchen)

Fazit

Die Berliner Lage zeigt sehr plastisch: Ein Ereignis kann komplizierte und komplexe Anteile gleichzeitig haben. Wer das sauber trennt, wirkt kompetenter – und sorgt für bessere Entscheidungen und realistischere Erwartungen.

Wenn Sie das Thema in Ihrer Organisation greifbar machen wollen: In meinem Vortrag Komplex ist nicht kompliziert – Ihr Spielsystem für jedes Problem erkläre ich den Unterschied mit starken Bildern und konkreten Spielzügen für Führung, Zusammenarbeit und Transformation.

FAQ: Stromausfall - Komplex ist nicht kompliziert

  • Ist ein Stromausfall komplex oder kompliziert?

    Beides. Die Reparatur kann technisch kompliziert sein (Spezialarbeit, Sicherheitsvorgaben). Das Gesamtereignis ist häufig komplex (Abhängigkeiten, viele Akteure, Dynamik, Kommunikation).

  • Woran erkenne ich, dass etwas komplex ist?

    Wenn Ursache-Wirkung nicht zuverlässig vorhersagbar ist, wenn sich viele Beteiligte gegenseitig beeinflussen und wenn du laufend nachsteuern musst, statt einmal „durchzuplanen“.

  • Wie erklärst du den Unterschied komplex vs kompliziert mit Sport?

    Kompliziert ist wie die Herstellung eines hochwertigen Spielballs: anspruchsvoll, aber mit Expertise, Standards und Planung gut beherrschbar. Komplex ist wie der Spielverlauf selbst: viele Wechselwirkungen, Anpassungen und Überraschungen – Ergebnisse sind nicht zuverlässig vorhersagbar, man muss in kurzen Zyklen beobachten, lernen und nachsteuern.

  • Was bedeutet „Spielsystem“ im Kontext der komplexen Problemlösung?

    Mit „Spielsystem“ meine ich die kulturelle Denk- und Entscheidungslogik, nach der Menschen Probleme lösen. Die 7 Spielsysteme (Tradition, Kampfgeist, Regelwerk, Wettbewerb, Zusammenhalt, Spielkunst, Weitblick) zeigen, worauf ein Team zuerst schaut, wie entschieden wird und was als „richtig“ gilt. Entscheidend ist: In komplexen Situationen braucht es das Spielsystem, das zur Lage passt – meist auch eine bewusste Kombination.

  • Worum geht es im Vortrag „Komplex ist nicht kompliziert“?

    In diesem Vortrag geht es um den Unterschied zwischen komplizierten und komplexen Problemen – und darum, warum in komplexen Situationen andere Spielregeln gelten: weniger Kontrollillusion, mehr Orientierung, Feedback und klare Entscheidungen.