Leadership Sprints – wie Führung mit Spielintelligenz zum Kulturwandel beiträgt

„Führung heißt nicht, immer die Richtung zu kennen. Sondern den Mut zu haben, den nächsten Spielzug gemeinsam zu gestalten.“

Spielanalyse | Wertewandel & Leadership
Von Andreas Becker | veröffentlicht im April 2025

Anstoß: Wie bleibt Führung in Bewegung?


Die Spielregeln verändern sich. In einer Zeit, in der sich Märkte, Technologien und Teams schneller bewegen als jemals zuvor, wird Führung zur Schlüsselfähigkeit – oder zur Schwachstelle. Klassische Führungsmodelle stoßen an ihre Grenzen. Doch was, wenn Führung nicht länger als Position, sondern als dynamisches Spielfeld gedacht wird? Willkommen bei den Leadership Sprints.


Impuls: Warum Führung Sprint statt Dauerlauf braucht

Agile Führung ist mehr als ein Buzzword. Es ist die Antwort auf komplexe, unplanbare Herausforderungen. Wer heute führt, braucht nicht nur Visionen – sondern vor allem die Fähigkeit, Interventionen wirkungsorientiert zu gestalten, Feedback frühzeitig zu integrieren und gemeinsam zu lernen.

Genau hier setzen Leadership Sprints an. Inspiriert vom Scrum-Framework, geben sie Führungskräften ein Spielfeld, auf dem sie Neues ausprobieren, Wirkung reflektieren und Führung als lernenden Prozess verstehen. Nicht im Elfenbeinturm, sondern im Team – mit Sparringspartnern an der Seitenlinie.


Das Spielfeld: Ein Projekt zwischen Führung, Kultur und Veränderung

In einem mittelständischen Unternehmen der Energiebranche sollte Führung neu gedacht werden. Die Herausforderung: Viele Führungskräfte fühlten sich allein gelassen in einem Umfeld, das sich immer schneller drehte. Die Personalentwicklung wollte nicht länger „Trainings verordnen“, sondern Führung zum Teamspiel machen.

Gemeinsam entwickelten wir Leadership Sprints. In Zyklen von je vier Wochen testeten die Führungskräfte neue Verhaltensweisen im Alltag, reflektierten ihre Erfahrungen im Peer-Sparring und planten gemeinsam den nächsten Sprint. Statt „Führung zu lernen“, wurde Führung gelebt – Schritt für Schritt, Spielzug für Spielzug.


 

Wo stehen wir?

„Wir haben tolle Strategien – aber wenig Wirkung.“

Der Startpunkt war geprägt von einem Gefühl der Überforderung. Die Erwartungen an Führung waren hoch, aber diffus. Zwischen neuen Zielsystemen, hybriden Arbeitsformen und wachsendem Innovationsdruck suchten viele nach Orientierung. Stattdessen fanden sie Checklisten und Führungsleitbilder – gut gemeint, aber wenig praxisnah.

Die Erkenntnis: Führungskräfte brauchen Räume zum Ausprobieren, nicht nur zum Verstehen. Und sie brauchen andere Führungskräfte als Spiegel, nicht als Wettbewerb.


Was wollen wir erreichen?

„Führung beginnt mit Selbstführung – und einem klaren Spielplan.“

In den Leadership Sprints definierten die teilnehmenden Führungskräfte eigene Ziele und definieren ihr eigenes Themen-Backlog.

 

Wie bei Scrum üblich, startet dann auch jeder Leadership Sprint mit einer Planung. Aktuelle Problemstellungen und Herausforderungen führen zu den nächsten umzusetzenden Aufgaben. Zur Umsetzung der Aufgaben innerhalb des Leadership Sprints bleiben maximal 4 Wochen, in denen mit starker Fokussierung gearbeitet wird.

Am Ende des Sprints wird über den Erfolg der Maßnahme, das Feedback sowie die Integration in den Arbeitsalltag reflektiert. Den Abschluss bildet die Analyse von Verbesserungen - im Sinne eines Reviews und einer Retrospektive. Die Erkenntnisse bilden die Grundlage für die nächste Interventionsschleife.



Was funktioniert wirklich?

„Die Wahrheit liegt auf dem Platz.“ – Otto Rehhagel


Was hat funktioniert? Was war schwer? Wo brauche ich Unterstützung?

Es ging nicht um „richtige Führung“, sondern um wirksame Führung im eigenen Kontext. Und genau das veränderte den Blick: von Schuldzuweisungen zu Lernmomenten, von Unsicherheit zu Experimentierfreude.
Ob eine neue Form der agilen Führung wirklich funktioniert, zeigt sich nicht im Konzeptpapier – sondern im Alltag, wenn es ernst wird. Genau dann, wenn Spannungen auftauchen, Entscheidungen getroffen werden müssen oder Feedback unangenehm wird. Leadership Sprints bringen diese Momente nicht unter Kontrolle – aber sie machen sie sichtbar und gestaltbar.

Die größte Veränderung kam nicht durch neue Methoden – sondern durch neue Gespräche. In den Sparrings-Sessions öffneten sich Räume für Reflexion auf Augenhöhe. Plötzlich war da Verständnis, statt Bewertung. Neugier, statt Rechtfertigung.

Und genau hier zeigte sich das Potenzial der Leadership Sprints: Führung wurde zum Teamsport. Nicht als Show auf der großen Bühne, sondern als ehrliches Zusammenspiel im Training.


Meine Rolle als Sparringspartner: Anfeuern, spiegeln, Raum halten

Ich war nicht der Trainer mit der perfekten Taktik, sondern der Sparringspartner, der die richtigen Fragen stellte. Der half, blinde Flecken zu erkennen. Und manchmal auch der, der daran erinnerte: Nicht jeder Pass muss ankommen – wichtig ist, dass wir spielen.

Fazit: Führung wird zum Kulturwandel – in kleinen Schritten mit großer Wirkung

Leadership Sprints zeigen: Kulturwandel beginnt, wenn Führung nicht mehr „angepasst“, sondern weiterentwickelt wird – mit Mut, Offenheit und einem klaren Spielfeld.

Wer seine agile Führung stärken will, braucht keine Heldengeschichte, sondern eine persönliche Spielphilosophie. Eine, die zur Organisation passt. Eine, die Experimente erlaubt. Und eine, die Menschen mitnimmt.


Denn wie Otto Rehhagel - der großartige Fußballphilosoph - einst sagte:
„Die Wahrheit liegt auf dem Platz.“

Was das mit meiner Spielphilosophie zu tun hat

In meiner Arbeit – ob als Agile Coach, Sparringspartner oder Speaker – steht für mich fest: Führung ist kein Sololauf, sondern Mannschaftsleistung. Und jede Organisation braucht dafür ihre eigene Spielphilosophie. Standardlösungen greifen zu kurz, wenn es darum geht, agile Führung wirklich zu verankern.

Die Leadership Sprints zeigen eindrucksvoll, wie Führungskräfte durch gezielte Reflexion, echte Verantwortung und kontinuierliches Sparring neue Wege gehen können – und dabei nicht nur sich selbst, sondern die gesamte Organisation weiterentwickeln.

Genau das ist der Kern meiner Spielphilosophie: Transformation ist Teamsport. Echte Veränderung braucht Tugenden, Teamgeist, Techniken und Taktik. Wer diese vier Perspektiven miteinander verbindet, stärkt nicht nur seine Führungskompetenz, sondern macht Kulturwandel sichtbar, spürbar und wirksam.

// PRESSE & MEDIEN

Zu diesem Beitrag ist auch eine Pressemitteilung erschienen.

Zur Pressemiteilung

// FAQ: Leadership Sprints

  • Was sind Leadership Sprints?

    Leadership Sprints sind zeitlich begrenzte Lern- und Erprobungszyklen für Führungskräfte. Ausgangspunkt ist keine allgemeine Trainingsagenda, sondern eine konkrete Herausforderung aus dem Führungsalltag. Die Führungskräfte planen einen nächsten Spielzug, erproben ihn in der Praxis, reflektieren seine Wirkung im Peer-Sparring und leiten daraus den nächsten Sprint ab.

    So wird Führungskräfteentwicklung nicht vom Arbeitsalltag getrennt. Lernen, Anwenden und Reflektieren finden unmittelbar im tatsächlichen Führungskontext statt.

  • Wie läuft ein Leadership Sprint ab?

    Ein Leadership Sprint beginnt mit einer Planung. Aus einem persönlichen Themen-Backlog wählt die Führungskraft eine aktuelle Herausforderung, ein Entwicklungsziel oder ein konkretes Verhaltensexperiment aus.

    Während des Sprints wird der geplante Spielzug im Führungsalltag erprobt. Am Ende werden das Ergebnis, erhaltenes Feedback und die Übertragung in den Alltag in einem Review betrachtet. Eine Retrospektive untersucht anschließend, was beim Vorgehen funktioniert hat und was im nächsten Sprint verändert werden sollte.

    Im beschriebenen Praxisformat dauert ein Leadership Sprint maximal vier Wochen. Die gewonnenen Erkenntnisse bilden die Grundlage für die nächste Lern- und Interventionsschleife.

  • Was haben Leadership Sprints mit Scrum zu tun?


    Leadership Sprints übertragen ausgewählte Elemente der Scrum-Logik auf die persönliche Führungskräfteentwicklung: ein Themen-Backlog, eine Sprint-Planung, eine klare zeitliche Begrenzung sowie Review und Retrospektive.

    Es geht jedoch nicht darum, das vollständige Scrum-Framework auf Führung zu übertragen. Scrum liefert vielmehr einen verlässlichen Lernrhythmus. Führungskräfte arbeiten fokussiert an einer konkreten Herausforderung, erhalten früh Feedback und passen ihren nächsten Spielzug auf Grundlage der gemachten Erfahrungen an.

    Leadership Sprints machen Führung dadurch zu einem iterativen Lernprozess statt zu einer einmaligen Schulungsmaßnahme.

  • Wie unterscheiden sich Leadership Sprints von einem klassischen Führungskräftetraining?


    Ein klassisches Führungskräftetraining vermittelt häufig Modelle, Methoden oder Gesprächstechniken in einem zeitlich begrenzten Seminar. Die eigentliche Übertragung in den Führungsalltag erfolgt anschließend weitgehend allein.

    Leadership Sprints beginnen dagegen bei einer realen Führungssituation. Die Teilnehmenden erproben neue Verhaltensweisen unmittelbar in ihrem Verantwortungsbereich und reflektieren die Wirkung gemeinsam mit anderen Führungskräften oder einem Sparringspartner.

    Das Format ersetzt nicht jedes Grundlagen- oder Fachtraining. Es schließt aber die entscheidende Lücke zwischen Wissen und tatsächlichem Führungsverhalten.

  • Für wen eignen sich Leadership Sprints?

    Leadership Sprints eignen sich für einzelne Führungskräfte in einer Peer-Gruppe, Führungsteams und Führungskräfteprogramme. Besonders hilfreich sind sie in Transformationen, bei neuen Führungsrollen oder dann, wenn allgemeine Führungsgrundsätze bereits formuliert wurden, im Alltag aber noch nicht zuverlässig wirken.

    Voraussetzungen sind die Bereitschaft, das eigene Verhalten zu reflektieren, reale Situationen einzubringen und neue Spielzüge ernsthaft zu erproben.

    Leadership Sprints sollten dagegen nicht als verdecktes Beurteilungsinstrument eingesetzt werden. Lernen auf Augenhöhe setzt voraus, dass Erfahrungen, Unsicherheiten und nicht erfolgreiche Versuche offen besprochen werden können.

  • Sind Leadership Sprints nur für agile Führung geeignet?

    Nein. Leadership Sprints sind zwar von Scrum und iterativem Lernen inspiriert, aber nicht auf agile Organisationen oder agile Führung beschränkt.

    Das Format ist überall dort einsetzbar, wo Führungskräfte mit komplexen Situationen, widersprüchlichen Erwartungen oder neuen Verantwortungsräumen umgehen müssen. Das kann eine agile Transformation sein, aber ebenso ein Strategieprozess, eine Reorganisation, ein Kulturwandel oder die Einführung neuer Technologien.

    Im Mittelpunkt steht nicht das Etikett „agil“, sondern die Fähigkeit, Führung im eigenen Kontext gezielt zu erproben und wirksamer zu gestalten.

  • Wie tragen Leadership Sprints zum Kulturwandel bei?

    Unternehmenskultur verändert sich nicht allein durch neue Leitbilder oder Führungsgrundsätze. Sie verändert sich, wenn Menschen wiederholt andere Erfahrungen mit Entscheidungen, Verantwortung, Zusammenarbeit und Rückendeckung machen.

    Leadership Sprints übersetzen gewünschte Veränderungen in konkrete Führungsexperimente. Führungskräfte können beispielsweise neue Entscheidungsräume erproben, anders auf Fehler reagieren, Konflikte früher ansprechen oder Verantwortung gezielter übertragen.

    Die Wirkung wird beobachtet und gemeinsam reflektiert. Bewähren sich die neuen Spielzüge, können sie schrittweise zu wiederkehrenden Praktiken und neuen kulturellen Spielregeln werden.

Wirkung statt Widerstand

In meiner Leadership Keynote zeige ich, wie Führung Widerstand als Signal nutzt, Entscheidungsräume klärt und das angestrebte Spielsystem durch Fähigkeiten, Autonomie, Identifikation und Rückendeckung wirksam macht.

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